Pierre Charles Jean-Baptiste Silvestre de Villeneuve



Pierre Charles Jean-Baptiste Silvestre de Villeneuve wurde im Jahr 1763 in Valensoles, Frankreich geboren. Obwohl er von adeliger Herkunft war, sympathisierte er von Anfang an mit den französischen Revolutionären und legte das adelige „von“ in seinem Namen ab. Deshalb konnte er auch seine Marinekarriere fortsetzen, nachdem die aristokratischen Offiziere in der Marine „ausgetauscht“ wurden.

Der junge Villeneuve war an verschiedenen Seegefechten beteiligt. Unter anderem diente er während der amerikanischen Revolution unter De Guichen vor Domenica und unter De Grasse bei der Seeblockade vor Yorktown. Im Verlauf seiner Marinekarriere wurde er 1793 zum Kapitän ernannt und in 1796 zum Konteradmiral befördert.

In 1798 unterstützte Villeneuves die Ägyptenexpediton Bonapartes (er kommandierte die französische Nachhut) unter Admiral Brueys. Bei der Schlacht von Aboukir wurden die Franzosen jedoch von Nelson vernichtend geschlagen . Villeneuves Schiff, die Guillaume Tell, war eines von lediglich zwei Schiffen, welches der Zerstörung durch die Engländer entgehen konnte. Danach wurde er von den Engländern auf Malta eingeschlossen und er kam im September 1800 nach der Kapitulation der Festung in britische Kriegsgefangenschaft. Seine Gefangenschaft war nicht von langer Dauer, da er bereits kurze Zeit später durch Gefangenenaustausch freigelassen wurde. Villeneuve stand in der öffentlichen Kritik Frankreichs, da er bei Aboukir floh, ohne direkt in das Kampfgeschehen eingegriffen zu haben. Aber Napoleon stand hinter ihm und attestierte ihm Glück, seine Karriere wurde nicht beeinträchtigt.

In 1804 diente er unter Admiral Latouche-Treville beim Mittelmeergeschwader in Toulon. Nach dem Tod Latouche-Trevilles wurde er zum Vizeadmiral ernannt, sein Auftrag lautete: Durchbrechen der Blockade von Toulon um sich mit dem spanischen Geschwader unter Admiral Gravina zu vereinigen. Das Ziel dieser Aktion stand in Zusammenhang mit den von Napoleon verfolgten Invasionsplänen Englands. Hierzu sollte der Großteil der englischen Flotte durch ein Ablenkungsmanöver vom Kanal in die Karibik gelockt werden, um anschließend für einige Tage die Seehohheit über den Kanal zu haben, so dass die französischen Truppen mit Transportschiffen von Boulogne aus nach England übersetzten könnten. Der Plan sah vor, dass Villeneuve Kurs auf die West Indischen Inseln nimmt, um sich dort mit der spanischen Flotte und den aus Brest ausgelaufenen französischen Schiffen unter Ganteaume zu vereinigen. In der Karibik sollten britische Besetzungen angegriffen werden, um anschließend über den Atlantik Richtung Kanal zurückzusetzen, und dort die britischen Geschwader zu vernichten.

Villeneuve konnte tatsächlich am 29. März 1805 aus Toulon mit elf Linienschiffen ausbrechen und durchquerte die Straße von Gibraltar am 8. April. Er segelte mit seinem Geschwader planmäßig in die Karibik und wartete bei Martinique erfolglos auf Gantenaume, dessen Flotte aber nicht erschien. Am 7. Juni erreichte ihn die Nachricht, dass Nelson Antigua erreicht hat und am 11. Juni setzte Villeneuve Kurs gen Europa. Allerdings wurde er ca. 200 Meilen vor der spanischen Küste in ein Gefecht mit dem englischen Admiral Calder verwickelt und steuerte anschließend zunächst Spanien an, anstatt befehlsgemäß auf direktem Weg Richtung Kanal zu segeln. Villeneuve blieb über Wochen in Cadiz und lief erst aus, nachdem er von Napoleon abgesetzt wurde und sich sein Nachfolger Rossily bereits auf dem Weg nach Cadiz befand.

Villeneuve traf schließlich am 21.10.1805 vor Kap Trafalgar auf die englische Flotte und wurde vernichtend geschlagen. Er selbst geriet erneut in britische Gefangenschaft, wurde aber in 1806 bereits freigelassen.

In Frankreich zurück wurde er am 22.04.1806 bei Rennes im Hotel de Patrie tot aufgefunden. Die offizielle Todesursache lautete Selbstmord, er wurde unehrenhaft ohne Zeremonie beerdigt. Allerdings ist es, ob der Messerstiche die zum Tode führten, durchaus wahrscheinlich, dass er Opfer eines Auftragsmordes wurde.