Die Schlacht

 

Warten vor Cadiz



Cadiz liegt am Atlantischen Ozean, auf der äußersten Spitze einer niedrigen Felsenzunge, welche durch eine sandigen Isthmus mit der nur durch einen schmalen Kanal vom Festland getrennten Insel Leon zusammenhängt, und an einer Bai, welche aus zwei Abteilungen besteht, der Bai von Cadiz und der von Puntales; in der Bai selbst liegt die Insel San Luis.

Als Festung gehört Cadiz zu den Plätzen ersten Ranges und wird von einem mächtigen Wall mit Bastionen und durch mehrere detachierte Werke sowie durch zahlreiche verborgene Klippen, welche eine Landung im Norden erschweren, verteidigt.

Die Einfahrt in die Bai von Puntales wird durch die Forts Santa Catalina, Matagorda und Puntales geschützt.

Die Stadt Cadiz (phönik. Gadir, "Festung", griech. Gadeira, lat. Gades) wurde von den Phöniziern um 1100 vor Christus gegründet und kam nach dem ersten Punischen Krieg in den Besitz der Karthager, denen sie im zweiten Punischen Krieg 206 von den Römern entrissen wurde. In der Kaiserzeit hieß sie Augusta Julia Urbs Gaditana. Den Westgoten, welche in der Völkerwanderung Cadiz einnahmen, wurde die Stadt 711 durch die Araber entrissen und erst 1262 von den Spaniern wiedererobert.

Cadiz wuchs seitdem ständig und erhielt nach Amerikas Entdeckung als Hauptstapelplatz des überseeischen Handels und als Hafen der spanischen Silberflotte enorme Bedeutung.

1596 wurde es von den Engländern unter Essex, Howard und Raleigh geplündert und verbrannt. Ein neuer Angriff 1601 unter Lord Wimbleton missglückte sowie auch ein vom Herzog von Ormond und Sir Rook 1702 unternommener Versuch. Infolge der Verbindung Spaniens mit Frankreich wurde Cadiz 1800 von den Engländern bombardiert. Am 14. Juni 1808 musste sich hier der französische Admiral Rosilly, von der aufständischen Stadt von der Landseite und von der englischen Flotte von der Seeseite blockiert, mit sechs Kriegsschiffen an die Engländer ergeben.

Berühmt ist die Belagerung von Cadiz durch die Franzosen unter Sébastiani und Victor vom 6. Februar 1810 bis zum 25. August 1812. Die Angriffe der Franzosen waren vornehmlich gegen die Insel Leon gerichtet, von deren Eroberung das Schicksal der Stadt abhing. Als aber Wellingtons siegreiches Vordringen die Franzosen zwang, sich aus Andalusien zurückzuziehen, mussten sie die Belagerung aufgeben.

Unter Nelson hatten sich jetzt 27 Linienschiffe versammelt. 22 von ihnen kreuzten nur 15 Meilen vor Cadiz, während die übrigen 5 unter Rear-admiral Louis, der sich auf der Canopus befand, direkt vor dem Hafen fuhren um jede Aktion der  spanisch-französischen Flotte beobachten zu können.

Vielleicht gelang es so den Gegner über die tatsächliche Stärke zu täuschen, wenn die Hauptflotte außer Sichtweite war, aber jederzeit durch die schnellen Fregatten informiert und herangezogen werden konnte. Nelson ging noch weiter, als er die Schiffe vor dem Hafen weiter reduzierte und nur noch Euyalus und Hydra Sichtkontakt mit dem Feind hatten.

Am 1. Oktober gelang es Kapitän Henry Blackwood mit der Euyalus einen Blick in den Hafen von Cadiz zu werfen. Er entdeckte, dass dort 18 französische und 16 spanische Linienschiffe, sowie vier Fregatten und zwei Briggs, vor Anker lagen und bereit waren jederzeit in See zu stechen.

Am 2. Oktober entsandte Nelson Konteradmiral Louis mit der Canopus, Queen, Spencer, Tigre und Zealous nach Gibraltar um dort Proviant und Wasser zu holen.

Am gleichen Tag traf die Euryalus ein schwedisches Schiff, welches von Cadiz au dem Weg nach Alicante war, das meldete, dass die spanischen und französischen Soldaten seit dem 30. September eingeschifft waren und die Flotte auf günstige Winde zum Auslaufen wartete.

Am 3. Oktober erreichte  Nelson diese Nachricht. Um sicher zu gehen, dass es sich bei den Informationen nicht um eine Kriegslist handelte, beorderte er seinen Konter-Admiral noch näher an Cadiz heran.

Am 4. Oktober wurden Euryalus und Hydra zweimal von spanischen Kanonenbooten angegriffen. Diese nutzen den mäßigen Wind und ruderten an die englischen Schiffe heran um neugierigen Beobachter vom Hafen fernzuhalten. Nach dem Austausch von einigen Salven zogen sie sich jedoch zurück und fuhren wieder in den sicheren Hafen von Cadiz zurück.

Am 7. Oktober erreichte die Defiance, von England kommend, die Flotte und am folgenden Tag stieß die von Gibraltar kommende Liviathan dazu. Am 8. Okober gelang es der Euryalus bei einem guten südöstlichen Wind einen Blick in den Hafen werfen zu können. Diesmal zählte man die Segel von 34 Linienschiffen.

Nun machte sich Unruhe in der britischen Flotte breit. Es gab Gerüchte, dass die französische Flotte aus Brest ausgebrochen war und die Flotte in Cadiz verstärken würde. Damit wäre die vereinigte Flotte mit mehr als 50 Schiffen den Briten deutlich überlegen. Zusätzlich bestand immer noch die Gefahr, dass es einzelnen Linienschiffen aus Carthagena und Rochefort gelang in den Hafen zu flüchten.

 

Villeneuves Flucht



Am 19. Oktober setzte sich die französisch-spanische Flotte um 07:00 in Bewegung. Allerdings mit mäßigem Erfolg, da der Wind nicht so beständig war und im Laufe des Tages wieder die Richtung wechselte, gelang es bis zum Nachmittag nur 12 Schiffen auszulaufen.

Erst bei Tagesanbruch des 20. Oktober war die komplette Flotte, bestehend aus 33 Linienschiffen, fünf Fregatten und zwei Briggs, auf See.

Dies wurde natürlich durch die britischen Fregatten beobachtet und an den Rest der Flotte gemeldet.

Euryalus und Sirius waren immer noch auf ihren Positionen, als um 08:30 die Agamemnon (64), eine große Prise im Schlepptau, unbewusst auf die feindliche Flotte zuhielt. Erst nach einem Signalschuss der Euryalus und zahlreichen Signalen, drehte die Agamemnon in den Wind und gewann Raum.

Trotz des Risikos verzichtete der Kommandant der Agamemnon nicht auf seine Prise und ignorierte die Order schneller zur Flotte zu stoßen.

Die Sirius befand sich zu diesem Zeitpunkt auch in großer Gefahr. Sie hatte auf ein Beiboot gewartet, welches bei einem amerikanischen Schiff war, und kam der gegnerischen Flotte so nah, dass diese das Feuer eröffnen konnte. Der Fregatte gelang es jedoch rechzeitig sich abzusetzen.

Zwischen 14:00 und 15:00 klarte es auf und der Wind drehte nach West-Nord-West. Daraufhin ordnete Villeneuve an, dass sich seine Flotte in fünf Reihen formieren sollte. Dementsprechend teilet sich die Flotte in zwei Teile auf. Der erste Teil, bestehend aus 21 Schiffen, der wiederum in drei Schwadronen zu jeweils 7 Schiffen aufgeteilt wurde, stand unter dem Kommando von Villeneuve. Villeneuve war im Zentrum dieser Teilflotte, während die Vorhut von Vizeadmiral Alava und die Nachhut von Konteradmiral Dumanoir kommandiert wurden.

Der restliche Teil der Flotte sollte die Reserve bilden und hatte sich in zwei Schwadronen von jeweils 6 Schiffen formiert. Die erste Schwadron stand unter dem Kommando von Admiral Gravina und die zweite unter Konteradmiral Magon.

Villeneuve machte seinen Offizieren Mut. Die britischen 74iger hatten nur 500 Mann an Bord, wogegen die französischen Schiffe vollbesetzt waren. Außerdem nahm er an, dass die Seeleute nach zwei Jahren auf See erschöpft, nicht mutiger und schon gar nicht motivierter waren als seine eigenen Männer. Sicher konnten sie besser manövrieren, aber dieser Vorteil konnte im Laufe eines Monats auf See ausgeglichen werden.

Während die Manöver auf beiden Seiten ausgeführt wurden, wurde es immer heller und die Flotten standen nur noch 10 bis 12 Meilen auseinander.

 

Nelsons Plan



Nelson entwarf unter diesen Rahmenbedingungen seinen Schlachtplan. Er ging davon aus, dass seinen 40 Schiffen etwa 46 feindliche gegenüberstanden.

Nelson war fest davon überzeugt, dass die herkömmliche Taktik hier nicht anwendbar war. Etwa 40 Linienschiffe bei diesen Wetter- und Windbedingungen in die Schlachtlinie und erfolgreich gegen den Gegner zu bringen, würde schwierig werden und viel Zeit kosten.

Daher beschloss er, dass die Segelformation gleichzeitig die Schlachtformation sein sollte. Zwei selbstständige Linien, mit jeweils 16 Schiffen und von ihm und seinem Vertreter angeführt, sollten auf den Gegner halten. Angeführt von 8 der schnellsten Zweidecker um jederzeit eine Linie von mindestens 24 Schiffen bilden zu können.

Ziel sollte es sein, mit einer Linie auf das Schiff des gegnerischen Oberbefehlshabers zu halten, während die zweite versuchte das spanisch-französische Zentrum zu durchbrechen.

Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Schiffe in unmittelbarer Nähe des Kommandoschiffs angegriffen werden. Dies konnte durchaus bedeuten, dass ein Großteil der feindlichen Schiffe dabei unberücksichtigt blieb.

Nelson vermutete Villeneuve an 12. oder 13. Stelle in der Schlachtlinie. Während Collingwood gegen diese Schiffe kämpfte, war es die Hauptaufgabe der zweiten Linie sicherzustellen, die restlichen 30 bis 36 Schiffe aufzuhalten.

Wichtig war es, sich mit konzentrierten Kräften auf einen Teil der Flotte zu konzentrieren und diesen schnell niederzuringen, bevor der Rest der Flotte Manöver einleiten konnte um auf die englische Taktik zu reagieren.

Collingwood sollte die Aufgabe zufallen den ersten Stoß gegen die feindliche Linie zu führen. Seine Schiffe sollten so nah an den Gegner herangehen wie möglich. Jeder Kommandant würde seine Pflicht erfüllen, wenn nur nah genug an den Feind kam und diesen in einen Nahkampf verwickelte.

Währendessen wurde die Lage in Cadiz immer schwieriger. Die Besatzung von so vielen Schiffen musste versorgt werden, und das obwohl die Hafenstadt blockiert wurde.

Um die Not zu lindern, aber besonders um seine Flotte zu schützen, hatte der französische Kaiser angeordnet, dass Verpflegung und Material von Nantes, Bordeaux und weiteren Häfen in der Bucht von Biscay auf kleinen Schiffen unterhalb der Küste nach Cadiz gebracht werden sollten.

Als die Fregatten Naiad, Phoebe, Sirius, Juno und Niger mit weiteren kleineren Schiffen zur britischen Flotte gestoßen waren, hatte Nelson auch ein Mittel um diesen Küstenhandel zu unterbinden.

Zwischen dem 9. und 13. Oktober verstärkten Royal-Sovereign, Belleisle, Africa und Agamemnon die britische Flotte. Damit standen Nelson nun 29 Schiffe zur Verfügung.

Seit dem 10. Oktober ankerte die französisch-spanische Flotte am Hafeneingang von Cadiz und bereite den Ausbruch vor.

Am 14. sendete Nelson Sir Robert Calder auf der Prince-of-Wales nach England und am 17. nahm die Donegal Kurs auf Gibraltar. Jetzt hatte er nur noch 27 Linienschiffe, vier Fregatten, einen Schoner und einen Kutter vor Cadiz.
 
Etwa zu der Zeit als Nelson das Kommando über die Flotte übernahm, erreichte ein Befehl Napoleons Cadiz. Villeneuve sollte die Soldaten einschiffen und in Genua absetzen, danach mit dem französischen Teil der Flotte nach Toulon fahren.

Die Einschiffung der französischen Soldaten erfolgte am 9. und 10. Oktober. Die gesamte Flotte, mit Ausnahme der San-Fulgencio (64), ankerte am Hafeneingang und erwartete die Abfahrt.

Vom 10. bis zum 17. wehte ein harter Wind von Westen und machte die Abfahrt unmöglich. In der Nacht auf den 18. Oktober drehte sich der Wind und kam endlich von Osten. Sofort informierte Villeneuve den spanischen Admiral Gravina, dass er am nächsten Tag in See stechen wollte.

 

Die Schlacht beginnt



Um 06:40 setzte die Victory das Signal um die verabredete Segelformation einzunehmen. Die Schiffe der zwei Reihen setzten daraufhin alle Segel und fuhren ostwärts auf den Gegner zu.

Im Angesicht der britischen Flotte befahl  Villeneuve um 8:00 Uhr eine Wende um die eigenen Schiffe nicht von Cadiz abzuschneiden. Er war sich sicher bewusst, dass es jetzt zur Entscheidungsschlacht kommen sollte, und wollte sich durch das neuerliche Manöver zumindest die Flucht in den sicheren Hafen als Option offenlassen.

Zu allem Überfluss flaut der Wind ab. Mit diesem Problem müssen beide Seiten leben. Da die schnelleren britischen Schiffe an der Spitze des Angriffs standen, entstanden auch dort kleine Lücken in der Schlachtlinie.

Um 08:30 gab Villeneuve das Signal zur Bildung der Schlachtlinie.

Es war fast 10:00 als die Schlachtlinie mehr schlecht als recht stand. Der schwache Wind von der See, unregelmäßige Böen von der Landseite und vor allem die unerfahrenen Kommandanten sorgten dafür, dass sich die Schiffe in einer weit gebogenen Linie  befanden.

Jeweils zwei bis drei Schiffe fuhren so nah hintereinander wie ursprünglich geplant und boten den Engländern so viele Möglichkeiten um die „Linie“ zu durchbrechen. Das Manöver der französisch-spanischen Flotte unterstützte unfreiwillig Nelsons Plan.

Wohl wissend, dass die Victory als erstes Schiff der Vorhut und zusätzlich mit der Flagge des Oberbefehlshabers gekennzeichnet, das bevorzugte Ziel des Gegners werden würde, hofften die Offiziere um Nelson, dass die Temeraire an der Victory vorbeiziehen und die Spitze bilden durfte. Captain Blackwood wandte sich an Nelson und legte ihm den Vorschlag dar.

Nelson bemerkte, dass es vielleicht notwendig wäre der Flotte noch ein letztes Signal zu geben. Er überlegte kurz und ordnete an, das „Nelson expects every man to do his duty“ gesetzt werden sollte. Daraufhin schlug ihm der „Flaggenoffizier“ vor, dass das Signal in „England erwartet…“ geändert werden sollte. Lord Nelson überlegte nicht lange und stimmte dem zu.

Um 11:40 ging das Signal
„ENGLAND EXPECTS THAT EVERY MAN WILL DO HIS DUTY” hoch und wurde, nachdem es auf allen Schiffen bekannt wurde, mit Hurra-Rufen bestätigt.

Wenige Minuten später gab Villeneuve den Feuerbefehl. Monarca und Fougueux eröffneten das Feuer auf die Spitze der britischen Flotte um die Entfernung zu ermitteln. Ein Geschoß der Fougueux schlug neben der Royal-Souvereign ins Wasser.

Die vordersten Schiffe aus Collingwoods Verband mussten ein gewaltiges Feuer erdulden ohne ihre eigenen Breitseiten einsetzen zu können. Ohne Rücksicht auf sich selbst steuern sie die gegnerische Linie an.

Die Kommandanten der Santa-Ana und der Fougueux mussten längst erkannt haben, dass die Lücke zwischen den beiden Schiffen das Ziel der Royal-Souvereign war. Während die spanisch-französischen Breitseiten in den Bug der Royal-Souvereign einschlugen, versuchten sie ihre Distanz zu verringern.

Es war kurz nach 12:00, als die Royal Sovereign ihre Position hinter der Santa-Ana erreichte und ihre doppeltgeladenen Kanonen von der Backbordseite abfeuerte. Die ersten Minuten kosteten bereits 400 spanischen Seeleuten ihr Leben und setzten 14 Kanonen außer Gefecht.

Gleichzeitig feuerten die Steuerbordkanonen der Royal Sovereign auf die Fougueux. Aufgrund der Distanz und dem Geschützrauch erzielte dieser Angriff nicht den gleichen Schaden wie auf der Santa-Ana. Außerdem hatte der französische Kommandant, vielleicht auch um eine Kollision zu vermeiden, gehalst und so strich die Breitseite diagonal die Fougueux.

In dieser Situation, genau zwischen den feindlichen Schiffen, rief Vizeadmiral Collingwood zu seinem Kapitän „Rotherham, was würde Nelson dafür geben hier zu sein?“

Nachdem die Royal-Sovereign das Heck der Santa-Ana passiert hatte, drehte sie bei und legte sich neben sie. Während die Mündungen der beiden Kanonen sich fast berührten, entbrannte ein Nahkampf zwischen den beiden Dreideckern.

Aber die Royal-Sovereign musste gegen mehrere Gegner kämpfen, denn die Fougueux hatte beigedreht und das Feuer eröffnet. Vor der Royal-Sovereign nahm die San-Leandro Kurs auf das englische Schiff, während auf der Steuerbordseite die San-Justo und Indomptable näher kamen.

Der Beschuß war jetzt so heftig, dass die Besatzung der Royal-Sovereign später erzählte, dass die Geschosse in der Luft zusammenprallten.

Als mehrere englische Schiffe der Royal-Sovereign zur Hilfe eilten, drehten die zwei Zweidecker ab und ließen Royal-Sovereign und Santa-Ana alleine zurück. In diesem Duell zeigte sich die Überlegenheit der englischen Geschützmannschaften.

Für annähernd 15 Minuten war die Royal-Sovereign das einzige britische Schiff im direkten Nahkampf. Nachdem sie sich neben die Santa-Ana gelegt hatte, feuerte die Belleisle eine Breitseite in die Santa-Ana und drehte dann in Richtung der Indomptable ab.

Turner,_The_Battle_of_Trafalgar_(1822)
Admiral Nelson steuert währenddessen die Vorhut an, dreht aber im letzten Moment ab und nimmt wieder Kurs auf das Zentrum der gegnerischen Flotte. Die Vorhut der Alliierten kann nicht mehr rechtzeitig wenden um die Flotte zu unterstützen.

Jedes Fernglas an Bord der Victory suchte nach der Flagge des französischen Oberbefehlshabers. Immer wieder fragte Lord Nelson ob jemand die Flagge ausmachen konnte, jedes Mal mussten seine Offiziere ihn enttäuschen.

Die Victory nahm Kurs auf die kleine Lücke zwischen Bucentaure und der spanischen Santissima Trinidad und war  dabei heftigem Feuer ausgesetzt.

Um 12:20, zwanzig Minuten nachdem die Fougueux das Feuer auf die die Royal-Sovereign eröffnet hatte und zehn Minuten nachdem diese das Heck der Santa-Ana gekreuzt hatte, feuerte die Bucentaure auf die Victory.

Wenige Minuten später erfolgte die zweite Breitseite gegen die Victory. Mit der dritten Breitseite kam das Main Topgallantsegel der Victory herunter.

Dann schwiegen kurz die Kanonen. Auf ein Zeichen des französischen Admirals feuerten mehrere Schiffe gleichzeitig auf die Victory. Mr. John Scott, Lord Nelsons Privatsekretär, wurde von einem Geschoss tödlich getroffen.


 

Nelson wird getroffen




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Um 13:00 feuerte die Carronade der Victory in die Galeriefenster der Bucentaure. Während die Victory langsam ihr Heck kreuzte, feuerten die restlichen 50 doppeltgeladenen Kanonen ihrer Breitseite hinterher.

Die ganze Szene dauerte nur zwei Minuten und auf den ersten Blick schien der heftige Beschuss kaum Auswirkungen gehabt zu haben. Kein Mast oder Segel der Bucentaure kam herunter, aber zwei Tage später erklärte Villeneuve, dass der Beschuss ebenso fatal gewesen war wie der von Royal-Souvereign in das Heck der Santa-Ana. 400 Mann und 20 Kanonen wurden ausgeschaltet und machten die Bucentaure fast wehrlos.

Die Neptune kommt der Bucentaure zu Hilfe, nimmt die Victory unter schweres Feuer und beschädigt Vormast and Bugsprit. Die Victory geht nach Backbord, doch es gelingt ihr nicht sich direkt neben die Bucentaure zu legen.

Gleichzeitig stellen Conqueror und Leviathan die Santissima Trinidad, zu diesem Zeitpunkt das größte Schlachtchiff der Welt, und fügen dem spanischen Schiff schwere Schäden zu. Mehrere spanische und französische Schiffe greifen in den Nahkampf ein um die Santissima Trinidad zu unterstützen. Aber auch englische Schiffe nehmen Kurs auf diesen Kampf und so wird das spanische Flaggschiff zum Mittelpunkt eines tödlichen Nahkampfs.

Die hinter dem französischen Flaggschiff fahrende Redoubtable greift nun die Victory an. Das britische Schiff ist nun in arger Bedrängnis und wird zugleich von drei Schiffen bekämpft. Kapitän Thomas Hardy gibt den Befehl von der Bucentaure abzufallen und die an Steuerbord liegende Redoubtable anzugehen. Die Besatzung der Redoubtable sieht sich sogar in der Lage Nelsons Schiff zu entern. Beide Schiffe kollidieren und liegen nun nebeneinander, aber der deutlich höhere Deckaufbau der Victory ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die britischen Matrosen und Soldaten. In höchster Not kommt die Temeraire zur Hilfe und lenkt das Feuer der Neptune auf sich. Die Redoubtable wird ins Kreuzfeuer genommen und ist kurz darauf besiegt.

Die Bucentaure setzt währenddessen ihren Kurs fort und wird dabei von der englischen Neptune verfolgt.
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The Fall of Nelson - Denis Dighton (1792 - 1827)
Es war um 13:15, als Kapitän Hardy beobachtete, wie Lord Nelson zu Boden fiel. Sofort stürzte er zu ihm und ging neben Nelson auf die Knie. Captain Hary hoffte noch, dass Lord Nelsons Verletzung nicht so schwer war. Aber Nelson war sich sicher, dass diese Verwundung tödlich war. Die Wunde rührte von einer Musketenkugel, die an der rechten Schulter, am vorderen Teil der Epaulette, eindrang und bis zur Wirbelsäule reichte.

Es ist zweifelhaft, ob die Kugel absichtlich auf Lord Nelson abgefeuert wurde oder ob es sich um einen Zufallstreffer handelte, denn von allen Offizieren auf der Brücke war Nelson zu diesem Zeitpunkt sicherlich am schwersten zu treffen.

Der an der Schulter getroffene Admiral wurde  sofort unter Deck gebracht und Kapitän Thomas Hardy übernahm das Kommando auf der Victory.

Im Süden gingen Collingwoods Schiffe wie geplant in den Nahkampf über und banden  die Nachhut. Die Royal-Sovereign, kämpfte dabei gegen mehrere Gegner gleichzeitig, aber hauptsächlich stand sie im Zweikampf mit der Santa-Ana. Die Bellisle kam ihr zur Hilfe und feuerte eine Breitseite auf die Santa-Ana an.

In kürzester Zeit hatte der spanische Dreidecker seinen mizen Topmast verloren; und etwa eineinhalb Stunden nach Beginn des Zweikampfs zwischen Royal-Sovereign und Santa-Ana waren alle drei Masten gefallen.

Um ungefähr 14:15 Uhr, nach einem heißen und nur von der Breitseite der Belleisle unterbrochenen Zweikampfs, musste sich die Santa-Ana der Royal-Sovereign ergeben.
 

England siegt



Alle Kampflinien waren jetzt aufgelöst und fast jedes Schiff war in Nahkämpfe verwickelt. Dann  endlich, zwei Stunden nach Beginn der Schlacht, nahm die Vorhut der alliierten Flotte aktiv an der Schlacht teil. Unter dem Kommando von Dumanoir an Bord der Formidable formierte sich die Vorhut für einen Gegenangriff. Kapitän Hardy erkannte rechtzeitig die Gefahr und signalisierte seinen Schiffen eine neue Linie zu bilden um den Angriff abzuwehren. Hier zeigte sich deutlich die Überlegenheit der britischen Seemannschaft. Trotz der widrigen Umstände gelang es den Schiffen Ajax, Minotaur, Agamemnon und Spartiate eine Linie zu bilden und den Angriff von Dumanoir abzuwehren.

Die Bucentaure  war nach dem Beschuß durch Neptune, Leviathan und Conqueror besiegt und Admiral Villeneuve musste die Flagge streichen. Dumanoir war zu diesem Zeitpunkt bereits dabei das Schlachtfeld zu verlassen. Gemeinsam mit Scipion, Mont Blanc und Duguay Trouin setzte er Kurs nach Cadiz.

Um 16.15 eilte Hardy unter Deck um dem sterbenden Admiral die Siegesnachricht mitzuteilen. "I have done my duty. I thank God for it!", antwortete Nelson. Um 16.30 erlag Admiral Horatio Nelson seiner schweren Verletzung. Eine Stunde später war die Schlacht mit der Explosion und dem Untergang der Achille beendet.